Laptop für den mobilen Entwickler: schwieriger als gedacht

Nach über fünf Jahren sollte mein MacBook pro ersetzt werden, da ich ein paar neue technische Features haben mag und da dann die Chance für Ausfälle höher wird und meine Selbstständigkeit nun einmal stark an der Funktionsweise meines Laptops hängt. Folgende Eigenschaften sollte das neue Gerät also haben:

  1. hochwertiges Business-Laptop, was ein paar Jahre hält und reparierbar ist
  2. einigermaßen gut transportabel: 1,5 kg wären nett, maximal 2 kg
  3. Geld ist egal, Arbeitsgeräte dürfen Geld kosten
  4. Festplatte muss aus allein aus Datenschutzgründen herausnehmbar sein (dass ich sowas überhaupt schreiben muss …)
  5. 32 GB RAM (oder 16 GB, aber aufrüstbar), da ich immer wieder virtuelle Maschinen nutze und zudem das neue Gerät wieder für mehrere Jahre kaufen will.
  6. 2 x 4k Screens oder 1 x 4k Screen + 2 x HD Screens, jeweils bei 60 Hz, für zu Hause: schließlich will ich damit arbeiten

Die Anforderungen sind aus meiner Sicht nicht mal so absurd, ich bin halt ein Entwickler, und Entwickler mögen Bildschirmfläche und RAM, sind aber sonst einigermaßen anspruchslos. Doch insbesondere der letzte Punkt führte zu einem ausgesprochenen Problem.

Problem 1: verlötet, verklebt, nicht aufrüstbar

Dies ist leider ein Trend, der mittlerweile recht verbreitet ist, und welcher damit für ein deutliches Reduzieren der Auswahl gesorgt hat. Ich habe aber nun mal das absurde Bedürfnis, ein 2000+ € Gerät auch reparieren zu können. So ein Kugellager eines Lüfters ist z.B. üblicherweise nicht für die Ewigkeit gebaut, und durchpusten sollte man Geräte auch ab und an, sonst sterben sie aufgrund des Staubes an einem Hitzetot. Auf die Spitze getrieben haben es Apple, bei denen man nicht mehr die Festplatte entfernen kann (Hallo? Ich habe da sensible Kundendaten drauf?!) und Microsoft, bei denen man zu aller Krönung nicht mal mehr das Laptop öffnen kann, ohne es zu zerstören.

Als zweite Absurdität in diesem Zusammenhang kann man den RAM-Mangel bei nicht aufrüstbaren Geräten sehen. Ich kann ja noch irgendwie nachvollziehen, warum man RAM auflötet, das spart halt Platz. Aber liebe Hersteller, warum bietet ihr dann nicht auch so viel RAM an, dass ich das Gerät auch langfristig verwenden kann? 16 GB RAM mögen aktuell noch in Ordnung sein, aber doch nicht für die nächsten 5+ Jahre. Und wir reden hier nun mal nicht von Wegwerf-Artikeln, sondern bei Business-Geräten von namenhaften Herstellern der 2000 € + X Klasse.

Vermutlich habe ich aber auch eine nicht mehr in die Welt passende Sicht der Dinge: ich bin ein Öko und mag es nicht, Dinge wegzuwerfen, die eigentlich noch vollständig in Ordnung sind, und sie nur deswegen unbrauchbar werden, weil der Hersteller eine Ressource mit voller Absicht zu klein gewählt hat. Glücklicherweise gibt es aber Initiativen, die das öffentlichkeitswirksam ankreiden, und IMHO wäre hier die Politik gefragt, dort verbindliche Regeln zu schaffen (gilt übrigens insbesondere auch für die peinlich kurze Support-Dauer von Software, insbesondere bei Smartphones).

Problem 2: mehrere Bildschirme

Intuitiv hätte ich das als das kleinste Problem eingeschätzt, Problem 1 war ja viel offensichtlicher. Und eigentlich ist 4k ja schon ein paar Jahre auf dem Markt, das sollte das alles kein Problem sein, oder? Aber halt – ich habe die Rechnung ohne absurde Konstruktionsideen der Hersteller gemacht. Die Grafikkarten haben nämlich einen sehr guten Multi-4k-Monitor-Support. Nur versagen leider die Hersteller reihenweise darin, die Anschlüsse dazu bereitzustellen.

Es könnte so einfach sein: mein neues MultiScreen Setup, was leider nur mit einem einzigen mobilen Laptop möglich ist.

Die meisten Laptops selbst haben selbst nicht genügend Anschlüsse, um zwei 4k Screens nutzen zu können – klar, die Fläche auf kleinen, mobilen Laptops ist begrenzt. Um also mehr Anschlüsse bereitzustellen, gibt es zwei Lösungen: das klassische Dock und Thunderbolt 3.

Thunderbolt 3: die flexible unausgereifte Alternative

An sich klingt das ja gut: ein Anschluss für alles – für schnelle Datenübertragung, für externe Grafikkarten, für Bildschirme. Soweit, so toll. Wenn man im Netz danach sucht, findet man eine Reihe an Berichten, dass die Kabel ein fürchterliches Problem seien, weil weder Preis noch Herkunft zuverlässige Hinweise auf die Thunderbolt3-Kompatibiltät geben. Aber es kommt noch schlimmer: es gibt eine Reihe verschiedener Parameter eines Thunderbolt3-Anschlusses, die massive Folgen für die Leistungsfähigkeit haben – doch weder Parameter noch Folgen sind nennenswert dokumentiert.

  • Die Bandbreite. Diese bewegt sich in einem Rahmen von 10 – 40 GBit pro Sekunde, meist 20 oder 40 GBit / Sekunde.
  • Die Anzahl an PCI Lanes: dort habe ich lediglich 2 oder 4 Lanes gefunden.
  • Die Anzahl der angeschlossenen DisplayPorts: dies bewegt sich im Rahmen von 1-2 Stück.
  • Der Chipsatz: mit der aktuellen Gen7 Intel CPU Generation werden drei Chipsätze in Laptops eingesetzt: DSL6340 (kleine Version des DSL6540, kann 2 – 4 Lanes angeschlossen haben), DSL6540 (große Version desDSL6340, muss 4 PCIe Lanes angeschlossen haben) und DSL5110

Und jetzt wird es absurd:

  • Die IBM Lenovo T-Serie, das ehrwürdige und legendäre Flaggschiff-Bussiness-Laptop, hat aus irgendeinem Grunde nur den kleinen DSL6340, allerdings an 4 PCIe Lanes, aber nur einen DisplayPort angeschlossen. Damit ist dann nur ein 4k Monitor bei 60Hz anschließbar.
  • Die IBM Lenovo X-Serie, das Ultrabook-Flaggschiff, hat den großen DSL6540-Chipsatz, kann so zwei 4k Monitore bei 60 Hz ansteuern
  • Dell XPS und HP Elitebook setzen auf den 5110er-Chipsatz mit voller Ausstattung und erlauben auch zwei 4k Monitore bei 60 Hz.
  • Tuxedo, ein sonst ganz spannender Nischenhersteller, hat leider ebenfalls nur ein DisplayPort an Thunderbolt3 weitergeleitet, und bietet so auch nur einen 4k Monitor bei 60 Hz.

Das ist ein klassisches Dilemma, denn ausgerechnet die T-Serie hat nur den kleinen Chipsatz, Tuxedo ebenfalls, und der Rest lötet RAM auf und bietet keine 32 GB RAM – Ausschlusskriterium für einen langen Betrieb. Vorteil von Thunderbolt3 ist dafür aber, dass Docks interoperabel sind, so dass man das Dock eines Herstellers an das Laptop eines anderen Herstellers anschließen kann. Doch wir scheitern hier nicht an den Docks, derer gibt es ja viele. Wir scheitern am Thunderbolt-Anschluss oder an Problem 1. Aber die T-Serie hat doch ein Dock, oder?

Das klassische Dock: ein Nischenprodukt

Das Dock war immer das, was ein Business-Laptop ausgemacht hat. Viele Anschlüsse, keinerlei Verkabeln, wenn man das Laptop heimbringt – klick und fertig. Nachteil waren natürlich immer die Kosten: deutlich über 100 € für ein Gerät, das nur mit dem dazu passenden Laptop läuft, ist im Consumer-Bereich natürlich brutal viel. Im Business-Bereich dagegen nicht so sehr, dort überwiegt der Nutzen.

Leider wurden in der letzten Zeit bei verschiedenen Firmen klassische Docks zugunsten der Thunderbolt3-Docks abgeschafft. Die T-Serie hat jedoch aber klassische Docks, aber da stolperte man dann über etwas anderes: die Dokumentation und wirklich schlechten Support, ein Problem, das mich die ganze Recherche begleitet hat.

Schaut man auf die Dock-Dokumentation, so wird man enttäuscht: das Ultra Dock kann angeblich nur Dual 4k bei 30 Hz. Dies wäre allerdings eigentümlich, da ein Dock ja eigentlich nur 1:1 Anschlüsse nach aussen leitet, und da die Grafikkarte Dual 4k bei 60 Hz kann, sollten die beiden DisplayPorts das ja auch können. Das Twitter-Team von notebooksbilliger.de (übrigens einer der ganz wenigen richtig positiven Support-Ausnahmen in meiner Odyssee) stellte dann die These auf, dass die Doku vermutlich veraltet sei, und bot an, bei ihrem Lenovo-Ansprechpartner nachzufragen.

Der Knaller ist: da gab es jetzt nach drei Wochen keine Antwort. Nicht nur ich als sehr kleiner Business-Kunde wurde ignoriert, nein, selbst ein Laden der Größe von notebookbilliger.de.

Allerdings ist das Grundproblem bei allen Herstellern vorhanden: es ist extrem schwer, an Informationen zu gelangen. Man erreicht – wenn überhaupt – nur Sales-Personal, und offensichtlich ist selbst die interne Dokumentation der Geräte so schlecht, dass ich (wohlgemerkt als B2B-Kunde) keine sinnvolle Aussage bekomme. Dafür ein Haufen offensichtliche Fehlinformationen im Stil von „die Grafikkarte kann das nicht“ – ja nee, is klar.

Übrig bleibt ein einziges Gerät(?)

Ein Hersteller, den ich so gar nicht auf dem Schirm hatte, hat mich allerdings extrem positiv überrascht: Fujitsu. Auf diese musste mich auch erst ein Freund hinweisen, und dann stellte sich heraus, dass Fujitsu …

  • ein Sales-Team hat, was offensichtlich die Möglichkeit hat, kompetente Techniker dazuzuholen
  • eine Ultrabook-Serie hat, die gleichzeitig leicht ist und trotzdem wechselbaren RAM hat (und so 32 GB RAM problemlos möglich sind)
  • ein Dock hat, wo man an die zwei DisplayPort-Anschlüsse einfach so zwei 4k Monitore bei 60 Hz anschließen kann. Bonus: im Gegensatz zum Thunderbolt-Dock muss dabei nicht mal der interne HD-Bildschirm ausgeschaltet werden, dieser kann ebenfalls auf 60 Hz weiterlaufen. Die Grafikkarte kann das nämlich ganz offensichtlich.
  • selbstverständlich eine wechselbare Festplatte hat – und als Bonus einen wechselbaren Akku

Nun, damit bin ich jetzt Fujitsu-Kunde geworden, in meinem Fall ist es ein U747 (also 14 Zoll) in Vollaussstattung geworden. Mit dem U727 und dem U757 gibt es dieselben Geräte noch in 12 und 15 Zoll. Kann ich jedem mobilen Nerd nur empfehlen, wiegt 1,43 kg und kann auch sonst alles, was man eben so braucht.

Insbesondere kann das U7x7 mit dem Dock zwei 4k Bildschirme + einen HD Bildschirm jeweils mit 60 Hz betreiben (der dritte Bildschirm hat auch mich überrascht, aber habe es getestet, funktioniert genau so). Mein aktuelles Setup besteht aus einem WQHD (also 2560 x 1440) Eizo Screen 4k BenQ Screen (SW 320, übrigens ohne die in den Kommentaren angesprochenen unterschiedlichen Verbindungsprobleme) und zwei Dell HD Screens (1920 x 1080) hochkant. Der Eizo Screen wird irgendwann durch ein 4k Screen ersetzt.

Und nein, ich werde dafür nicht bezahlt, im Gegenteil: so ein neues Notebook ist ein teurer Spaß. Aber nach über einem Monat Suche bin ich einfach sauer, wie wenig Mühe sich Hersteller im Business-Bereich geben, in sich konsequent funktionierende Produkte abzuliefern.

Wirklich ärgern tut mich eigentlich vor allem Problem 1) – das kann es einfach nicht sein, dass Notebooks und Smartphones beim kleinsten Problem weggeschmissen werden müssen. An sich hält Hardware doch mehrere Jahre, tut es da wirklich not, bewusst(?) Obsoleszenz einzubauen, obwohl der Kunde bereit ist, für Service und Flexibilität zu zahlen?

Aber auch das Problem „fehlende Dokumentation und fehlender Support“ ist aus meiner Sicht wirklich ärgerlich – zumindest im B2B-Bereich, wo die Gewinnmargen doch nun wirklich groß genug sein dürften, als dass man mal ne technische Doku erstellen könnte, die den Notebooknutzern viel Ärger ersparen kann.

Disclaimer

Es kann natürlich sein, dass ich Optionen vergessen / nicht gefunden habe. Dies wäre zwar einmal mehr ein Beweis dafür, dass die Dokumentation der Hersteller nicht ausreichend ist, aber nun ja: ich dokumentiere den ganzen Sachverhalt hier ja mehr aus Notwehr, und vielleicht nutzt es dem einen oder anderen Mit-Nerd. Ich freue mich also auf Kommentare und Ergänzungen!

8 Antworten zu “Laptop für den mobilen Entwickler: schwieriger als gedacht”

  1. Sehr gut geschrieben und gerade für mich in meiner Situation eine sehr gelungene Zusammenfassung da ich gerade mit den selben Problemen kämpfe. Außerdem geht´s mir ähnlich wie Dir – ich hatte Fujitsu vergessen -.-.

    Werde mir die Geräte gleich mal ansehen 🙂

  2. Wir setzen in unserer Firma seit langem auf die Business Notebooks von Fujitsu. Allerdings eher auf die E-Serie, die nicht ganz so leicht ist. Die Ultrabooks, die wir vor 3 Jahren hatten, wurden vom BIOS ständig in der Leistung gedrosselt, also liefen weit unter dem Wert, den der Prozessor hergab. Vielleicht ist dieses Problem ja inzwischen behoben? Was ist sehr gut finde bei unseren Geräten ist, dass die Netzteile immer die gleichen sind und sich HDD/SSD und RAM-Riegel (fast) immer hinter einem leicht zu öffnenden Deckel befinden. Hier wird wirklich an den Kunden gedacht. Vor allem wenn die Notebooks häufiger auf Reisen gehen müssen empfehle ich die Garantieverlängerung, die es maximal auf 5 Jahre gibt und zumindest bei unserem Zulieferer relativ günstig ist. Ein Mainboard- oder Displayschaden und die Kosten für die Garantieerweiterung sind wieder drin.

  3. Von Dell gibt’s auch recht Brauchbares: http://www.dell.com/de-de/work/shop/dell-notebooks/precision-5520-anniversary-edition/spd/precision-15-5520-laptop/ctop5520emea_ae . Ist zwar wider mit TB-Dock aber das wird sich so oder so durchsetzen: https://www.dell.com/support/article/de/de/debsdt1/sln301105/dell-thunderbolt-dock–tb16–informationen-und-technische-daten?lang=de .

    Das Notebooks 5 Jahre oder darüber betrieben werden ist halt inzwischen schon eher nicht mehr üblich. Ps. Warum sollte man eine verschlüsselte HDD/SSD ausbauen wollen? gruß h.

    • Nenn mich doofen Idealisten, aber ich gehöre zu der Fraktion, die ungerne einfach so Wegwerfhardware kaufen mag. Ganz besonders dann, wenn er mehr Geld hinlegt. Irgendwas mit gelebter Nachhaltigkeit.

      Der Dell ist ganz iO, ist aber nicht ganz trivial wegen dem Thunderbolt-Chipsatz-Problem: auch dort müsste man wieder suchen, ob der Chipsatz denn nu passt. Ist ein Elend, dass die Hersteller das nicht beischreiben. Was dazu kommt: dedizierte Grafik wollte ich eigentlich vermeiden weil produziert Hitzeprobleme und bringt mir nix.

      Und zur Verschlüsselung: ich trau der Standard-Verschlüsselung jetzt nur so maßig … ausbauen ist halt nochmal ein gutes Stück sicherer und bei einem entsprechenden Gerät in wenigen Handgriffen erledigt.

  4. Ja, inzwischen muss man wirklich einen der Tode sterben. Entweder gibts kein gutes Display, nicht genug RAM, oder halt Anschlüsse. Das wird dann eher mieser denn besser werden.

    Auch bei SSD wird es wohl darauf hinauslaufen das die M.2 nur mehr in „Nischengeräten“ verbaut werden und man den Flash einfach aufs Board löten wird (Apple machts leider vor). Wenn man auf Nummer sicher gehen will, packt man halt die wirklich wichtigen Daten dann nochmal in einen eigenen Conainer (Veracrypt, etc.) das sollte dann wirklich alle Anforderungen abdecken.

    Ps. Hier, austauschbare Festplatten http://de.getac.com/notebooks/index.html 😉 .

  5. Hallo (in die Runde),

    ich habe mir das U747 auch geschossen wegen der genannten Vorteile.
    Allerdings in einer kleinen Version (256GB SSD, 8GB). Möchte selbst auf 512GB SSD NVMe und 32 GB gehen. Zufällig jemand Wissen/Empfehlung, was da gut verbaubar ist ?

    Danke, Grüsse, JJ

    • Zu der Festplatte kann ich nicht viel sagen. Als Arbeitsspeicher habe ich ganz normalen DDR4-SODIMM genommen: Crucial DDR4 2 x 16 GB, 2133 MHz, PC4-17000 –
      CL15. Funktioniert. Gehe davon aus, dass du bei der HDD auch nicht wirklich groß was beachten musst, ist halt ne M2 HDD.

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